Infoanlass „Kreislauf WALD“ 29.05.2026
Wälder bedecken 32% der Schweiz – viel Publikum wollte mehr über Wald und Holz wissen

Wald prägt die Schweizer Landschaft und ist wichtig für die Umwelt, für die Wirtschaft und für die Gesellschaft.
Wälder bedecken 32% der Schweiz und prägen damit die Landschaft. Dazu sind sie Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen, produzieren Sauerstoff, speichern Wasser, liefern Holz für Bau und Energie. Kurz: ohne Wald ist die heutige Schweiz nicht vorstellbar.
Mehr Details über die vielen Funktionen unseres Waldes gab es am 29. Mai 2026 auf dem Biglerhof an der Eichenstrasse 63 zu erfahren. Die Familie Bigler versorgt einen Teil des Dorfes mit Wärme aus Holz aus dem eigenen Wald. Förster Ruedi Schweizer, Simon Bigler und Martin Häberli boten viele fachliche und praktische Informationen zur Waldwirtschaft. Die SVP-Moosseedorf besorgte die Organisation sowie Speis und Trank. Rund 70 Personen nutzten die Gelegenheit, um sich zu informieren und nahmen eine kurze Exkursion in den nahen Wald unter die Füsse. Die intensiven Gespräche beim gemütlichen Teil zeigten: der Wald stösst auf grosses Interesse. Mildes Frühsommer-Wetter begleitete den informativen und geselligen Anlass.
Der Williwald – viele Eigentümer, Nutzungen und Ansprüche
Von den rund 285 Hektaren (ha / 1 ha entspricht 10‘000 m2, also 100 m × 100 m) Gesamtfläche liegen 127 ha in der Gemeinde Moosseedorf. Davon sind 51 ha im Privatbesitz, 48 sind Staatsforst des Kantons Bern, 17 ha gehören der Burgergemeinde Bern und 11 ha jener von Moosseedorf. Die übrigen 158 ha zählen zu den Gemeinden Münchenbuchsee, Bolligen, Zollikofen und Ittigen. Revierförster Ruedi Schweizer vom Forstrevier Aarberg-Jegenstorf ist für den Moosseedorfer Privat- und Burgerwald zuständig. Vier weitere Förster kümmern sich um die übrigen Flächen. Die komplexen Eigentümer-Strukturen und Verantwortungen erfordern viel Koordination und Verständnis.
Will ein Waldbesitzer Holz nutzen, muss er vom Förster die gewünschten Bäume anzeichnen lassen. Damit wird eine fachlich optimale Nutzung sichergestellt. Idealerweise sollte sich der Wald selber verjüngen, aber die Klimaerwärmung erfordert gezielte Anpassungen. Die Rottanne ist ein Flachwurzler und hat heute oft Mühe, genügend Wasser zu erhalten. Tiefwurzler wie Eiche oder Weisstanne haben bessere Chancen. Bis Ende Mai gab es genug Regen für alle Bäume, aber die anschliessende lange Trockenheit wird Opfer fordern.
In früheren Zeiten sah man oft „Holzsammler“ und konnte dann „aufgeräumte Wälder“ beobachten. Heute weiss man: Abgestorbene Bäume und Äste sind als „Totholz“ wichtig für die Biodiversität. Allerdings können diese bei Trockenheit die Ausbreitung von Waldbränden fördern. Wie bei Vielem muss immer das optimale Gleichgewicht angestrebt werden. Das gilt auch für Waldstrassen, welche nach dem Sturm „Lothar“ im Dezember 1999 vermehrt gebaut wurden. Waldstrassen und -zusammenlegungen haben die Nutzung wirtschaftlicher gemacht, ermöglichen aber auch eine schonende Bearbeitung der dazwischen liegenden Parzellen. Im Schweizer Mittelland steht klar die Nutzung der Wälder im Vordergrund, in den Bergregionen ist die Schutzfunktion im Fokus.

Revierförster Ruedi Schweizer
Welches Holz für welchen Zweck
Jede Bauart hat spezifische Eigenschaften und damit unterschiedliche Nutzungsschwerpunkte. Simon Bigler erläuterte dem Publikum die optimalen Verwendungen. Grundsätzlich ist Nadelholz meist leichter und weicher, Laubholz meist schwerer und härter.
Die meistverbreitete und rasch wachsende Rottanne ist preisgünstig und wird häufig als Bauholz im Innenbereich wie Dachstöcke, für Verpackungen und als Papierrohstoff genutzt. Dem Wetter ausgesetzt wird sie rasch grau, was man oft an älteren Scheunen usw. beobachten kann. Darum kommt im Chaletbau meist Lärche zum Einsatz. Diese bleibt heller und behält das „hölzige“ Aussehen. Buche ist ein beliebtes Energieholz: 1 m3 ergibt 2.8 m3 Schnitzel und spart rund 100 Liter Heizöl; Rottanne nur rund 70 Liter. Eiche ist sehr beständig und eignet sich für Möbel und Parket. Der helle und weiche Ahorn kommt oft für Möbel und Musikinstrumente zum Einsatz. Die sehr harte Akazie ergibt dauerhafte Zaunpfähle, wenn diese etwas krumm sein dürfen. Esche federt leicht und wird darum oft für Werkzeugstiele verwendet. Der harte Kirschbaum ergibt dauerhafte Schneidbretter oder elegante Möbel. Der Einbaum in der Vitrine am Moossee wurde aus Lindenholz hergestellt. Dieses Weichholz konnte von den Pfahlbauern gut bearbeitet werden.
Über Jahrhunderte war Holz einer der wichtigsten Rohstoffe der Menschheit. Es war lokal verfügbar und konnte gut bearbeitet werden. In der Neuzeit wird Holz oft von zwei anderen Rohstoffen verdrängt: Stahlbeton im Bau und Plastik im Haushalt. Dabei hat Holz zwei unschlagbare Vorteile: es kann am Ende der Nutzung noch als Energieholz dienen oder rückstandslos vermodern und in den Biokreislauf zurückkehren.

Simon Bigler
Wald der Zukunft
Vielfalt macht den Wald stark. Das muss er sein, weil sich seine Umgebung und das Klima verändert. Mischwälder mit verschiedenen Bauarten werden die Entwicklung besser meistern, als solche mit nur einer oder wenigen Arten. Insbesondere die flachwurzelnde Rottanne aber auch die Buche kommt immer mehr unter Druck.
Martin Häberli schilderte dem Publikum, wie der Kanton Bern die Waldbesitzenden unterstützt, den Wald an das Klima von morgen anzupassen. Im Programm «Jungwaldpflege+» wird die Neupflanzung von Baumarten gefördert, die mit den veränderten Bedingungen besser umgehen können, beispielsweise Eichen, Linden oder Ahorne.
Die jungen Bäume brauchen genug Platz und Licht zum Wachsen. Deshalb wird eine Fläche von mindestens 1 ha gerodet und anschliessend mit zukunftsfähigeren Setzlingen neu bepflanzt. Die 400 Jungpflanzen pro ha werden in den ersten Jahren mit selbstauflösenden Röhren geschützt. Sonst wären die Jungbäume ein gefundenes Fressen für Rehe und Hirsche und es würde nie ein klimafitter Neuwald entstehen. Laien stören sich oft an den – für Schweizer Verhältnisse – grossflächigen Rodungen. Aber wer Neues schaffen will, muss zuerst Altes zerstören; sei das nun Wald oder Brücken oder Häuser oder… Wald ist immer ein „Generationenprojekt“: was wir heute ernten, haben unsere Eltern (oder Grosseltern) gepflanzt, was wir heute anpflanzen und pflegen, werden unsere Nachkommen ernten. So wird erst in Jahren und Jahrzehnten sichtbar, welche schönen Wälder die aktuellen Massnahmen bringen.
Ebenfalls oft in der Kritik bei Laien, sind die grossen Forstmaschinen. Aber meist sind diese schonender für den Wald: mit ihrer grossen Reichweite bewegen sie sich nur auf den «Rückegassen». Diese werden mit Astmaterial ausgelegt, was das Gewicht der Maschinen besser verteilt und die Verdichtung minimiert. Der übrige Waldboden wird nicht befahren und dadurch geschont. Moderne professionelle Holzernteverfahren sind kostensparend und minimieren die Unfallgefahr für die Arbeitenden. So profitieren Wald und Menschen!

Martin Häberli
Austausch und Genuss
Nach der Stärkung am Buffet in der offenen Stallhalle wurde weiter über die spannenden Informationen diskutiert. Viele Besucherinnen und Besucher werden wahrscheinlich den nächsten Waldspaziergang mit «neuen Augen» absolvieren und sich an der wachsenden Vielfallt der neuen Pflanzen erfreuen. Vielleicht werden auch die Eine und der Andere beim nächsten Einkauf auf das Label «Schweizer Holz» achten und damit die ökologische Nutzung der Schweizer Wälder unterstützen.

Essen und Getränke sind bereit

Die Jugend darf selber grillieren

Geniessen und Diskutieren
WEITERE FAKTEN ZUM WALD:
Unser Wald ist eine riesige Versorgungsquelle und produziert pro Hektar (10‘000 m2 ≈ 1.5 Fussballfelder)
• 3 Tonnen Sauerstoff
• 2.4 m3 Bau- und Konstruktionsholz
• 1.6 m3 Energieholz
• 3 Millionen Liter gefiltertes Wasser
Wald ist unser grösster „Umwelt-Dienstleister“, er
• kühlt rund 4 Grad an Hitzetagen
• Absorbiert 2 Tonnen CO2 pro Hektar und Jahr
• Filtert 60 Tonnen Luft pro Hektar und Jahr von Staub und Russ
• 42% seiner Fläche sind Schutzwald für Siedlungen und Verkehr
Wald bringt weitere Leistungen für unsere Gesellschaft
• 6‘100 direkte Arbeitsplätze
• 20‘000 km Wald-Wanderwege
• 30‘000 Waldstrassen für Sport
• 120 Bestattungswälder
Alle Leistungen werden mit freiem Betretungsrecht erbracht – nicht hinter Zäunen wie vielerorts in Europa.
Weiterführende Links für mehr Informationen:
Aktiv für einen Wald, der zum Klima von morgen passt; Kanton Bern
Förderprogramm «Jungwaldpflege+» Kanton Bern
Wert des Waldes erhalten
Waldwirtschaft Schweiz
Der Infoanlass „Kreislauf WALD“ war unser Beitrag zum Aktionsmonat „respektvolles Miteinander“, offeriert von der SVP-Moosseedorf und Sponsoren.

SVP Moosseedorf
